Multimorbidität

Multimorbidität (Prof. Dr. med. Edouard Battegay, Dr. Barbara Holzer)

Das Kompetenzzentrum Multimorbidität (www.multimorbidity.uzh.ch) bearbeitet ein sehr aktuelles und dringliches Forschungsgebiet. Die vielschichtigen Problematiken der Multimorbidität haben in der nationalen Strategie des Bundesrates „Gesundheit 2020" Eingang gefunden. Zudem wurde Multimorbidität von der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) zu einem inhaltlichen Schwerpunkthema 2017-2020 erklärt. Prof. E. Battegay, Präsident des Kompetenzzentrums Multimorbidität, hat im Bulletin der SAMW dazu umfassend Stellung genommen [1].

Unsere klinische Multimorbiditätsforschung an der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin konzentriert sich zunehmend auf zwei zentrale Forschungsschwerpunkte: Das Interaktions- und Konfliktpotential zwischen gleichzeitig vorhandenen Erkrankungen multimorbider Patienten und ärztliche Entscheidungsprozesse bei komplexen multimorbiden Patienten. Insbesondere wird in den nächsten Jahren die Entwicklung und Validierung eines Multimorbiditäts-Interaktions-Indexes weiter vorangetrieben, der den Schweregrad von Interaktionen gewichtet und damit als Instrument zur klinischen Entscheidungsfindung in der Versorgung multimorbider Patienten dienen soll. So können zum Beispiel Behandlungen, die für eine Erkrankung indiziert sind, für eine andere, gleichzeitig vorhandene Erkrankung schädlich sein. Dies stellt dann ein Dilemma bzw. einen therapeutischen Konflikt für die behandelnden Ärzte dar.

Zu Interaktionen oder therapeutischen Konflikten zwischen Erkrankungen gibt es bisher kaum Studien oder Guidelines. In einer Studie von Patienten, die notfallmässig auf die Innere Medizin eintraten, waren im Durchschnitt über 6 aktive Diagnosen pro Patient zu verzeichnen. In rund 50% der Patienten ergaben sich therapeutische Konflikte zwischen verschiedenen, gleichzeitig vorhandenen Erkrankungen. Insgesamt war bei einem Fünftel der Patienten ein schwerer, lebensbedrohlicher therapeutischer Konflikt auszumachen. Bei etwa zwei Fünftel der Patienten war ein leichter Konflikt vorhanden. In der Zwischenzeit werden die in der genannten Studie ermittelten spezifischen Konflikte detailliert auf verschiedensten Ebenen weiter untersucht.

[1] Battegay E. Multimorbidität: eine Herausforderung der Neuzeit. SAMW Bulletin 4/2014, Schwerpunkt 1.

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